Fachschaftsrat der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen

German Gedenken. Am Beispiel des Berliner Zoos

Montag, 15. Februar, 19 Uhr, ZHG 005

In Kooperation mit der Association Progrès.

„So Nazi war unser Zoo“ titelt der Berliner Boulevard im Dezember letzten Jahres. Beinahe erstaunt stellte zu diesem Zeitpunkt nicht nur die Großstadtpresse fest, dass auch so altehrwürdige Einrichtungen wie der Berliner Zoo eine nationalsozialistische Vergangenheit haben. Ab 1938 wurden die 1500 jüdischen Zoo-Aktionäre von den Nationalsozialisten gezwungen ihre Wertpapiere von der Zoologischer Garten Berlin AG zu extrem schlechten Bedingungen zu verkaufen. Bis dato wurden diese Enteignungen in der bundesdeutschen Hauptstadt öffentlich nicht zur Kenntnis genommen.

Getrieben durch die Recherchen der Historikerin Monika Schmidt, versprach der Direktor des Berliner Zoos, dass man sich ab jetzt auch „die dunkle Seite der Geschichte des Zoos“ widmen werde. Der Berliner Senat verkündete stolz eine im mittleren sechsstelligen Bereich liegende Summe für die Wiedergutmachung zur Verfügung zu stellen, doch anstatt einer finanziellen Entschädigung, sind eine Ausstellung sowie ein „Fellowshipprogramm zur Stärkung des wissenschaftlichen Austausches zwischen Deutschland und Israel“ geplant.

„Im Zentrum der Wiedergutmachung des Unrechts in der Zeit des Nationalsozialismus steht (...) heute nicht individuelle Restitution sondern öffentliche Aufarbeitung und Erinnerungsarbeit“, erklärt der Berliner Senat auf Anfrage eines Abgeordneten und trifft damit den Kern des 'German Gedenkens'. Die individuellen Ansprüche der Geschädigten spielen keine Rolle, es geht um die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit. Als Vergangenheitsbewältigungsweltmeister kennt Deutschland die Opfer des Nationalsozialismus nur als Ausstellungsstücke. Die deutschen Täter konzipieren selbst eine Ausstellung nach ihrem Gusto und greifen den moralischen Mehrwert als vielfach geläuterter Sünder ab.


Die zwei Referenten der Kampagne #makeZoopay werden in ihrem Vortrag die Bruchlinien des deutschen Gedenkens skizzieren und darüber hinaus versuchen einige Einzelschicksale ehemaliger jüdischer Zoo-Aktionäre dem Vergessen zu entreißen.

© 2016 — Fachschaftsrat Sozialwissenschaften der Universität Göttingenlast updated: 05.04.2017