Fachschaftsrat der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen

Antisemitismus im deutschen Mediendiskurs - Der Fall Jakob Augstein

Lukas Betzler & Manuel Glittenberg, Donnerstag, 17. Dezember, 19 Uhr, ZHG 005

Zusammen mit dem Roten Salon

In der deutschen (Medien-)Öffentlichkeit ist gegenwärtig eine ›Normalisierung‹ des Antisemitismus zu beobachten. Vor allem über den Umweg der sogenannten ›Israelkritik‹ werden mit hoher diskursiver Präsenz antisemitische Ressentiments artikuliert, ohne auf Kritik zu stoßen. Ein prominentes Beispiel dafür ist die SPIEGEL-Online-Kolumne Im Zweifel links, in der der Publizist und SPIEGEL-Erbe Jakob Augstein wiederholt antisemitische Stereotype und anti-israelische Ressentiments bediente (und immer noch bedient). Erst als das Simon-Wiesenthal-Center Ende 2012 auf diesen Umstand aufmerksam machte, indem es Passagen aus der Kolumne auf den neunten Platz seiner Liste der Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs setzte, hob in den deutschen Medien eine Debatte an. Die überwiegende Mehrheit der DebattenteilnehmerInnen wies die Kritik an Augstein jedoch pauschal zurück. Eine Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus als gesellschaftlichem Problem fand kaum statt, vielmehr reproduzierten zahlreiche Beiträge selbst antisemitische Stereotype und Argumentationen.

Im Vortrag werden die Kolumnentexte Augsteins sowie die Beiträge der ›Augstein-Debatte‹ aus antisemitismuskritischer Perspektive analysiert. Auf diese Weise sollen sprachliche Formen und diskursive Strategien des Antisemitismus im deutschen Mediendiskurs aufgezeigt werden.

Lukas Betzler und Manuel Glittenberg sind Autoren der Studie »Antisemitismus im deutschen Mediendiskurs. Eine Analyse des Falls Jakob Augstein« (Nomos Verlag, April 2015).

© 2016 — Fachschaftsrat Sozialwissenschaften der Universität Göttingenlast updated: 05.04.2017