Fachschaftsrat der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen

Veranstaltungsreihe in Kooperation mit dem Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) und der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften.


„Demokratie, ein Begriff auf der nach oben offenen Dichterskala“. Dieses Zitat von Manfred Hinrich kann als Leitsatz für die geplante Veranstaltungsreihe zum Thema Demokratie gesehen werden. Demokratie war und ist immer Projektionsfläche und Kampffeld von Emanzipationsbewegungen, ob Sozialismus, Liberalismus, Kommunismus oder Anarchismus. Aus Sicht der Emanzipationsbewegungen bleibt Demokratie aber zumeist ein uneingelöstes Versprechen. Weder konnte auf Dauer Demokratie über den Rahmen eines bürgerlichen Parlamentarismus hinaus entwickelt werden, noch konnte sie dauerhaft als Organisationsprinzip auf die gesamte Gesellschaft übertragen werden – speziell in der Arbeitswelt prallen demokratische Beteiligungsansprüche und unternehmerisches Weisungsrecht oft aufeinander. Trotzdem, oder genau deswegen, blieb Demokratie ein schillernder Begriff und gesellschaftlich umkämpft. Heute sehen wir ein globales Wiederaufflammen dieser Auseinandersetzung. Als begriffliche Zuspitzung einer Analyse für die westlichen Staaten kann sicher der Begriff „Post-Democracy“ stehen. Colin Crouch verweist mit diesen Begriff auf die Aushöhlung von bürgerlicher Demokratie durch ökonomische Interessen, die lediglich eine Fassade demokratischer Prozesse hinterlassen. Spätestens seit Occupy, den Platzbesetzungen in Spanien und Griechenland sowie dem Arabischen Frühling sind allerdings Bewegungen zu beobachten, die Demokratie neu erfinden und erkämpfen wollen. Nicht nur in den genannten Beispielen, sondern auch historisch lässt sich eine fruchtbare Verbindung von politischer und ökonomischer Demokratisierung beobachten. Mit unserer Veranstaltungsreihe wollen wir einen Reflexions- und Resonanzraum für Debatten rund um Fragen von Demokratie und Arbeit öffnen.

Wirtschaftsdemokratie: Wie weiter?

Mittwoch, 18. November, 18 Uhr, ZHG 007. Mit Hans-Jürgen Urban, Frank Deppe, Eva Angerler

Der Schwerpunkt dieser Podiumsdiskussion soll auf Fragen der Wirtschaftsde­mokratie liegen. Es sollen historische Debatten aufgegriffen und mit aktuellen Entwicklungen konfrontiert werden. So soll die Frage von Wirtschaftsdemo­kratie zu Zeiten der Weimarer Republik, aber auch wie sie in Deutschland in der Zwischenkriegszeit diskutiert wurde, eine Referenzfolie bilden, auf der aktuelle Positionen zu Wirtschaftsdemokratie diskutiert werden.

Alex Demirovic: Rätedemokratie revisited

Dienstag, 8. Dezember, 18 Uhr, VG 4.101

Rätedemokratische Ideen, als radikale Form von Demokratie bildeten einen sehr weitreichenden Gegenentwurf zu repräsentativ bürgerlichen Demokratievorstellungen. Sie sind ein inklusives Konzept von Demokratie, das versucht, sowohl die ökonomischen Ungleichgewichte einer kapitalistischen Ökonomie abzuschaffen, als auch die politische Macht in Gesellschaften neu zu regeln. Sowohl historisch, als auch gegenwärtig sind sie immer wieder Referenzfolie von Basisbewegungen. ArbeiterInnenräte sind und waren sowohl „Kampforganisation“ als auch Nukleus einer neuen demokratischen Organisation von Arbeit und im weiteren Schritt von Gesellschaft als Ganzem. Wir wollen in dieser Diskussionsveranstaltung auf diese theoretischen und politischen Perspektiven eingehen, wie eine Neuorganisation von demokratischen Arbeits- und Lebensformen unter heutigen Bedingungen und angesichts einer grassierenden Repräsentationskrise aussehen kann. Die Veranstaltung soll Mitte Dezember stattfinden.

Griechenland erlebt z. Z. nicht nur massive Kämpfe gegen den Austeritätskurs der Troika, sondern auch eine Vielzahl von Experimenten in Bezug auf demokratische Selbstorganisierung. Entgegen der dominierenden Berichterstattung in deutschen Medien, bedeutet Austerität nicht nur finanzpolitische Einschnitte, sondern tiefe Einschnitte in die Arbeitsmarktpolitik und die Industriellen Beziehungen. Damit stehen auch die griechischen Gewerkschaften im Zentrum einer Krisenpolitik. Die Rolle der Gewerkschaften, demokratische Suchbewegungen im Bereich Arbeit und die Verbindungs- aber auch Trennungslinien zu anderen Teilen der Sozialen Bewegungen in Griechenland sollen im Zentrum der Veranstaltung stehen.

Friederike Habermann: Commons

Mittwoch, 10. Februar, 18 Uhr, Theo 01

Commons, als Ankerpunkt und theoretischer Begriff der Imagination einer solidarischen Gesellschaft sind schon seit längeren Teil einer theoretischen Debatte, aber auch praktischer Kämpfe. Analytisch bietet der Begriff Commons nicht nur eine Perspektive auf gemeinschaftlich geteilte Güter, sondern auch auf andere, nicht kapitalistisch subsummierte Formen der Produktion und Reproduktion. Die Debatte um Commons eröffnet zudem eine feministische Perspektive auf die Analytik einer patriarchal dominierten Arbeitswelt und hat politische Implikationen für eine freie und demokratische Gesellschaft. Wir möchten in dieser Veranstaltung diskutieren, wie Demokratie im Zeichen des Commonismus künftig aussehen könnte.

© 2016 — Fachschaftsrat Sozialwissenschaften der Universität Göttingenlast updated: 05.04.2017