Fachschaftsrat der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen

Sehr geehrte Frau Prof. Beisiegel,
Sehr geehrtes Präsidium der Universität Göttingen,
Sehr geehrtes Gebäudemanagement der Universität Göttingen,
Sehr geehrte Damen und Herren,

Die Junge Alternative-Hochschulgruppe Göttingen hat am Dienstag, den 2. Juni gegen 18 Uhr zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Universitäten - Chance für die AfD“ in das Zentrale Hörsaalgebäude, Raum 001, geladen. Dort sollen am 4. Juni um 19 Uhr der Vorsitzende der AfD Niedersachsen Armin Paul Hampel, der Vorsitzende der Jungen Alternative Niedersachsen Sören Hauptstein sowie der Vorsitzende der Göttinger Junge Alternative-Hochschulgruppe Lars Steinke referieren.

Die Alternative für Deutschland steht seit ihrer Gründung für einen nationalkonservativ-wirtschaftsliberalen deutschen Chauvinismus. Sie tritt euro- und europaskeptisch, „asylkritisch“ und elitär auf. Dabei reproduziert und produziert sie rassistische, chauvinistische, sexistische und nationalistische Ressentiments, indem sie durch ihre Asylpolitik, sozialdarwinistische Ansätze und dem Konzept einer elitären „Alternativdemokratie“ die generelle Ungleichheit von Menschen propagiert. Durch ihre antifeministischen Positionen verstärkt sie gesellschaftliche Ungleichbehandlungen. Wie im Richtungsstreit der letzten Monate innerhalb der AfD deutlich geworden ist, ist eine Abgrenzung der Partei zum politischen Spektrum der extremen Rechten kaum möglich.

Die Junge Alternative (JA) ist die offizielle Jugendorganisation der AfD in Niedersachsen. Dass sie dabei ihrer Mutterpartei in nichts nachsteht, sondern diese in ihren Position sogar rechts überholt, beweisen Verstrickungen zu anderen extrem rechten Organisationen wie der „Identitären Bewegung“. Zunehmend gründet die JA auch Hochschulgruppen, um an den Universitäten Fuß zu fassen und bildet so den Nährboden für ein Aufleben rechtskonservativer bis rechtsradikaler Inhalte.

Die Universität Göttingen als Bildungseinrichtung sollte menschenverachtender Ideologie keinerlei Raum bieten und zudem keine einseitigen Parteiveranstaltungen ermöglichen. Wie aus dem Ankündigungstext der JA-HSG auf Facebook hervorgeht, dient der Vortrag einzig und allein der Bewerbung der AfD. Hier wird weder ein Bildungsauftrag noch ein wissenschaftlicher Zweck, sondern lediglich eine parteipolitische Binnenfunktion erfüllt.

Die Georg-August-Universität sollte ihrem Auftrag zur Förderung kritischen Denkens und zur Erfüllung eines wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns nachkommen, und sich nicht für parteipolitische Partikularinteressen eines solch fragwürdigen Akteurs vor den Karren spannen lassen. Erst kürzlich wurde eine geplante Veranstaltung der AfD Göttingen in den Räumen des „Freizeit In“ durch den Geschäftsführer des Hotels abgesagt. Dieser Fall zeigt eindrucksvoll, dass es bei grundsätzlicher Gleichbehandlung politischer Parteien trotzdem möglich und nötig ist, zwischen Parteien zu differenzieren, und klar Stellung zu beziehen gegen rechte Parteien um damit Zivilcourage zu beweisen.

Daher fordern wir die Universitätsleitung dazu auf, der genannten Veranstaltung keine Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, den Status der JA-HSG als Hochschulgruppe zu überprüfen und damit ein klares Zeichen gegen Rassismus, Sexismus und Nationalismus zu setzen.

An anderer Stelle hat die Universität schon unter Beweis gestellt, dass sie nicht nur fähig, sondern auch willens ist, aus ihrer Sicht kontroverse Veranstaltungen in ihren Räumlichkeiten zu unterbinden. So wurde dem Fachschaftsrat Sozialwissenschaften zunächst, unter der Begründung das Thema sei zu kontrovers, kein Raum für eine Veranstaltung zum virulenten Antisemitismus des vergangenen Sommers zugestanden.

Bieten Sie der AfD keinen Raum, die Universität zur Verbreitung ihres menschenverachtenden, rassistischen und nationalistischen
Gedankenguts zu missbrauchen!

Wider der rassistischen und homophoben Hetze von AfD und JA!



Unterstützer*innen:
Fachschaftsrat der Philosophischen Fakultät
Fachschaftsrat der Medizinischen Fakultät
Sprecher der Fachschaftsräteversammlung
Fachgruppensprecherin Humanmedizin
Gleichstellungsbeauftragte der Philosophischen Fakultät
Grüne Hochschulgruppe Göttingen
Juso-Hochschulgruppe Göttingen




Die Uni hat der AfD und JA die Raumzusage entzogen! Wir freuen uns, dass Rechtspopulist*innen an der Uni Göttingen kein Raum geboten wird. Bedauernswert allerdings, dass sich lediglich auf Formalia berufen wird. Die Universitätsleitung verpasst hier die Gelegenheit sich klar gegen rassistisches und homophobes Gedankengut zu stellen.
Wir begrüßen es natürlich dennoch, dass die Spinner hier keine Gelegenheit hatten ihre reaktionäre Ideologie zu präsentieren.
Göttingen bleibt stabil!

Uni Göttingen zieht Raumzusage für AfD zurück

Keine Bühne für die AfD-Jugend. Die Nachwuchsorganisation der Alternative für Deutschland (AfD) hat ihren Vortragsabend in der Uni Göttingen am Donnerstag abgesagt. Die Hochschule hatte der Hochschulgruppe der Jungen Alternative (JA) die Nutzung eines Uni-Raumes trotz ursprünglicher Zusage verboten. Begründung der Uni: "Unrichtige" Angaben der JA.

Brakemeier, Michael (2015): Uni Göttingen zieht Raumzusage für AfD zurück. Göttinger Tageblatt Online, 04.06.2015.

© 2016 — Fachschaftsrat Sozialwissenschaften der Universität Göttingenlast updated: 05.04.2017