Fachschaftsrat der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen
  • Der Vortrag wird sich aus der Perspektive einer an Theodor W. Adorno geschulten kritischen Theorie der Gesellschaft mit postmodernem Denken, zum Beispiel dem Subjektbegriff bei Judith Butler, auseinandersetzen. Genauere Infos folgen.

    Dr. Helmut Heit ist Wissenschaftler an der TU Berlin und dort Projektleiter im Rahmen eines "Dilthey-Fellowships". Zu seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten zählt unter anderem Nietzsches Wissenschaftsphilosophie.


  • 27,9 Prozent der Deutschen vertreten einer Umfrage zufolge die Ansicht: „Bei der Politik, die Israel macht, kann ich gut verstehen, dass man etwas gegen Juden hat.“ Genauso viele glauben: „Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip auch nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reich mit den Juden gemacht haben.“ Gar 40 Prozent meinen: „Israel führt einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser.“ Als sich Israel im Sommer 2014 einmal mehr gegen den Raketenterror der Hamas verteidigen musste, kam es in deutschen Städten zu großen Aufmärschen, auf denen Parolen wie „Kindermörder Israel“ und „Jude, Jude, feiges Schwein“ gerufen wurde und es zu tätlichen Angriffen auf pro-israelische Gegendemonstranten kam. Die Polizei griff nicht ein.

    In deutschen Schulbüchern für das Unterrichtsfach Geschichte finden sich Sätze wie: „Israel stellt tagtäglich seine Überlegenheit als Besatzungsmacht demonstrativ zur Schau, indem es palästinensische Häuser zerstört, palästinensischen Grund und Boden beschlagnahmt, die Palästinenser demütigt und ihnen unmenschliches Leid zufügt.“ Sowohl die NPD als auch die Grünen reichen parlamentarische Anträge ein, in denen nahezu wortgleich eine Kennzeichnungspflicht für Produkte aus den israelischen Siedlungen gefordert wird; andere wollen sogar einen Warenboykott. Deutsche Medien veröffentlichen Karikaturen, die den israelischen Premierminister als Giftmischer zeigen, und Kommentare, in denen behauptet wird, er führe „die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs“.

    Die weitaus meisten westlichen Politiker betrachten derweil nicht etwa das iranische Atomprogramm oder Terrororganisationen wie die Hamas und die Hisbollah, sondern die israelischen Siedlungen in den umstrittenen Gebieten als „Haupthindernis für den Frieden im Nahen Osten“. Wenn ihnen die Frage gestellt wird, warum Juden in einem prospektiven palästinensischen Staat eigentlich nicht leben dürfen sollen, sind sie hellauf empört.

    Wie kommt es, dass Israel immer wieder dämonisiert und ihm de facto das Recht abgesprochen wird, sich gegen seine Feinde zur Wehr zu setzen? Warum wird diesen Feinden so viel Verständnis gezollt oder gar Sympathie entgegen gebracht? Weshalb ist die sogenannte Israelkritik vor allem hierzulande so ungeheuer populär, und was treibt sie an – in der Politik, in den Medien, in der Bevölkerung?

    Alex Feuerherdt (45) ist freier Autor und lebt in Köln. Er schreibt regelmäßig für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften zu den Themen Antisemitismus und Nahost, unter anderem für die Jüdische Allgemeine, Konkret, den Tagesspiegel und die Jungle World.


  • Prof. Rolf Pohl: Feindbild Frau

    Prof. Rolf Pohl, 26. November 2014, 19 Uhr, ZHG 004

    Sexuelle Gewalt ist nahezu ausschließlich männlich. Ihr liegt eine ambivalente bis feindselige Einstellung zu Frauen zugrunde, die zum Kernbestand männlicher Subjektivität in männlich hegemonialen Kulturen gehört. Weiblichkeit wird von Männern unbewusst als Bedrohung erlebt und deshalb abgewehrt. Die typisch männ­liche Gewalt­bereitschaft gegenüber Frauen ent­springt somit einer Mischung aus Angst, Neid, Wut und Hass. Aber immer geht es dabei auch um sexuelle Lust. Sexuelle Gewalt dient somit nicht nur der Angstabwehr und der Wiederherstellung einer beschädigten Männlichkeit, sondern auch der sexuellen Befriedigung des Mannes. Dieser Zusammenhang, der sich vor allem an Vergewaltigungen unter zivilen und unter Kriegsbedingungen nachweisen lässt, wird in der gesamten sexuellen Gewaltdiskussion vernachlässigt oder geleugnet. Hass und Gewaltbereitschaft gegenüber Frauen ist auch als Ergebnis einer Leugnung und Abwehr der männlichen, auf den weiblichen Körper gerichteten Begierde zu verstehen. Die durch Frauen ausgelöste sexuelle Erregung bestätigt die Abhängigkeit des Mannes und entlarvt die im männlichen Autonomiewunsch enthaltene Idee vollkommener Beherrschung und Kontrolle als wahnhafte Illusion. Diesen Zusammenhängen wird der Vortrag aus psychoanalytischer, sozialpsychologischer und geschlechtertheoretischer Perspektive nachgehen.
    Prof. Dr. Rolf Pohl ist Wissenschaftler an der Uni Hannover und Koordinator der Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie.


  • Oliver M. Piecha: Das Kalifat der Albträume

    Oliver M. Piecha, 11. November 2014, 19:00 Uhr, ZHG 004

    Den Nahen Osten verstehen: Assad, der „Islamische Staat“, die Kurden und der Rest. Ein ungemütlicher Crashkurs. Was passiert gerade zwischen Euphrat und Tigris? Ist Kobane 2014 das Madrid von 1937? Warum schneidet der „Islamische Staat“ öffentlich Hälse durch? Wieso hat das etwas mit dem „Arabischen Frühling“ zu tun und weshalb haben jetzt alle so eine Angst vor diesem „Islamischen Staat“? Hat er wirklich die Sklaverei wieder eingeführt? Und wer bombt gerade gegen wen?

    Der Referent Oliver M. Piecha ist Historiker, er schreibt regelmäßig über den Nahen Osten u. a. in der Berliner Wochenzeitung „Jungle World“, ist Mitbegründer der deutsch-irakischen Hilfsorganisation WADI und Mitarbeiter einer Kampagne gegen weibliche Genitalverstümmelung im Nahen Osten.


  • Tobias Jaecker: Hass, Neid, Wahn: Die antiamerikanische Ideologie

    Tobias Jaecker, 04. November 2014, 19 Uhr, ZHG 004

    Ob in der Debatte um den NSA-Skandal oder die Ukraine-Krise: Antiamerikanismus ist so populär wie lange nicht mehr in Deutschland. In allen Bevölkerungsschichten und politischen Lagern – selbst bei Menschen, die sich als fortschrittlich verstehen. Aber was ist das überhaupt: Antiamerikanismus? Wie unterscheidet er sich von Kritik an der US-Politik? Und warum wird er so offensiv, teils aggressiv geäußert? Tobias Jaecker erläutert Ursachen, Funktionsweise und Auswirkungen des Antiamerikanismus. Er präsentiert dazu Beispiele aus den Medien von 9/11 über die Finanzkrise bis heute. Sie zeigen, wie sich der Antiamerikanismus zu einer gefährlichen Ideologie verdichten kann.


  • Isabelle Hannemann: 'Der Teufel hat sich schick gemacht': Überlegungen zum TäterInnenbild in der Berichterstattung zum NSU-Prozess

    Isabelle Hannemann, 16. Juni 2014, 19 Uhr, VG 4.101 (in Kooperation mit dem Hans Mentz Freundeskreis)

    »Zschäpe, das von Rassenhass zerfressene Monster?«, die »Diddl-Maus« der NSU, die »Nazi-Braut«, »die braune Witwe«, das »Oma-Kind«. Der Vortrag konfrontiert die medial produzierten Zerrbilder weiblicher Täterinnenschaft mit Schlüsselthesen zur (weiblichen) Entwicklung sowie wahrnehmungs-, symbol- und geschlechtertheoretischen Überlegungen.


  • Florian Ruttner: Foucaults Verrat an der Aufklärung

    Florian Ruttner, 12. Juni 2014, 19:30 Uhr, ZHG 005

    In den letzten 20 Jahren haben sich die Schriften Michel Foucaults an den Universitäten, zumindest an den gesellschafts- und geisteswissenschaftlichen Fakultäten, als kanonisierte Klassiker etabliert, gerade in sich als gesellschaftskritisch verstehenden Kreisen. Einer der Hauptgründe für die Begeisterung für seine Schriften in diesen Zirkeln besteht darin, dass Foucault einerseits als ein Vertreter einer kritischen Theorie angesehen wird, der aber andererseits und anders als die Kritische Theorie Horkheimers und Adornos für die politische Praxis und soziale Bewegungen offener gewesen und dessen Theorie auch zur Konstituierung und Radikalisierung solcher Bewegungen brauchbar sei.
    In dem Vortrag soll aufgezeigt werden, dass für diese Praxisnähe Foucaults der Begriff des Mythos von zentraler Bedeutung ist, und warum Foucaults Denken keine Kritik an der Aufklärung ist, sondern ein Abwenden von dieser. Es soll thematisiert werden, in welche problematische Tradition sich Foucault damit stellt und warum deshalb auch seine Begeisterung für die islamische Revolution in Iran mehr war als nur eine einfache politische Fehleinschätzung.


  • Vor einigen Jahren erhielt die Begriffsverwirrung und der Streit um die Bezeichnung von Parteien „am rechten Rand“ des politischen Spektrums der Bundesrepublik eine neue Facette, als auch hier erste Parteien als rechtspopulistisch bezeichnet wurden. Die Alternative für Deutschland (AfD) stellt dabei nur die neueste Erscheinungsform dar, nach den Republikanern, dem Bund freier Bürger, der Schill-Partei (PRO) und diversen anderen. Aktuelle Verortungen der AfD reichen von Anti-Euro- bzw. Protestpartei, über konservativ-bürgerlich, national-konservativ, wirtschaftsliberal, euroskeptisch bis eben hin zu rechtspopulistisch, wobei oft unklar bleibt, was denn nun das Spezifische des Rechtspopulismus ist und ob es sich hierbei nicht eher um „neue“ politische Formen als um veränderte bzw. abzugrenzende Inhalte handelt.
    Die AfD-Parteiführung selbst betreibt öffentlich viel Aufwand, um sich von der extremen Rechten und dem historischen Nationalsozialismus abzugrenzen, sich als Koalitionspartner schmackhaft zu machen und die Unvereinbarkeit ihres Programms, ihrer Praxen und tagesaktuellen Forderungen mit jenen zu behaupten. Dies gelingt nicht immer, wie einige Skandale zuletzt zeigten.
    Ausgehend von konkreten Partei-Positionen, -Kampagnen und Mitglieder-Äußerungen soll am Beispiel der AfD hinterfragt werden, ob rechtspopulistische Parteien inhaltlich wirklich Parteien eines „neuen Typs“ darstellen. Denn trotz vielfach sicher vorhandener formeller, Lebenstil- und Habitusunterschiede („Professorenpartei AfD“) bestehen grundlegende Gemeinsamkeiten mit den „traditionellen“ Parteien der Rechten und extremen Rechten und ihren Mitgliedern: bezüglich der Gemeinschafts- und Feindbildungen, der (gewaltvollen) Lösungsansätze für behauptete gesellschaftliche Konflikte, der Projektionsmechanismen und der Bedrohungsängste gegenüber modernen, pluralen Gesellschaften.


  • Über die Alternative für Deutschland

    David Bebnowski (Institut für Demokratieforschung), 4. Juni 2014, 19 Uhr, ZHG 003

    Nun also auch in Deutschland. Mit der Alternative für Deutschland hat sich auch in der Bundesrepublik eine ernstzunehmende Partei rechts von CDU und FDP gegründet. Ihr Einzug ins Europaparlament stellt ihren bis dato größten Erfolg dar. Was sind die Gründe für ihren Aufstieg? Warum konnte die Partei entstehen? Und welche Rolle spielen die vielen Ökonomen an ihrer Spitze? Gemeinsam mit einer Analyse des Europawahlergebnisses sollen diese Fragen beantwortet werden.


© 2016 — Fachschaftsrat Sozialwissenschaften der Universität Göttingenlast updated: 05.04.2017